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Tagungen
13.05.2015, 18:44 Uhr | Rotes Rathaus
 
Austausch mit der Wissenschaft: Pantoffelnähe oder Distanz - Begegnungsmöglichkeiten für ältere Menschen
Am 13.05.2015 führte der Landesseniorenbeirat Berlin im Ferdinand-Friedensburg-Saal des Roten Rathauses einen Austausch zwischen Seniorinnen und Senioren und Wissenschaftlern durch, um Erfahrungen und wissenschaftliche Ergebnisse zu Begegnungsmöglichkeiten für ältere Menschen zusammenzuführen.
Rotes Rathaus - „Da wir auch viele sind, können wir auch viel anfangen“, so schloss Peter Stawenow, LSBB Vorstandsmitglied, die Fachdebatte des Landesseniorenbeirates Berlin. Über das Thema „Begegnungsmöglichkeiten für ältere Menschen“ hinaus wurden in der Diskussion viele Fragen und Herausforderungen benannt, die die Seniorinnen und Senioren im Alltag bewegen. Daher wurde eine Priorisierung bei der Bearbeitung der anstehenden Aufgaben von der Patienten- und Pflegebeauftragten des Landes Berlin, Frau Karin Stötzner, gefordert.

Das Thema der Fachdebatte hatte unmittelbaren Bezug zum Berliner Senioren-mitwirkungsgesetz sowie zu den Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik. Dem berechtigen Anspruch in beiden Materialien, den Prozess des Älterwerdens unter aktiver Eigenbe-teiligung der Berliner Seniorinnen und Senioren zu gewährleisten, wurde durch Kenn-zeichnung wesentlicher Bedingungen dazu entsprochen. So ist es u. a. nötig, in der Hauptstadt „ein barrierearmes Wohnumfeld mit hohen Aufenthaltsqualitäten in der Nach-barschaft genauso in den Blick“ zu nehmen wie fußläufig erreichbare Angebote an Gütern und Dienstleistungen, um die günstigsten Voraussetzungen für ein möglichst lebenslanges und selbstbestimmtes Wohnen im Alter zu schaffen.

Diesen Blick hat die Fachdebatte der Landesseniorenbeirates Berlin geschärft. Seniorinnen und Senioren diskutierten dabei mit Wissenschaftlern, was ältere Menschen hindert, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, wie vertraute Begegnungsorte als ein Beitrag zur Gesundheitsförderung erhalten werden können, welche Rolle soziale Teilhabe im Zusammenhang von Alters- und Mobilitätsarmut einnimmt und welche Begegnungs-möglichkeiten es für ältere Menschen im Kontext mit dem Berliner Kiezatlas gibt.

Fazit
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse decken sich mit dem Erfahrungswissen und den seit langem durch die Seniorenorganisationen und -vertretungen vorgetragenen Forderungen. Das bestärkt das ehrenamtliche Engagement in den Bezirken und im Land.

Welche wesentlichen Ergebnisse und Erkenntnisse erbrachte die Fachdebatte?
Die nachfolgenden Aussagen resultieren aus den Referaten, der Diskussion sowie der schriftlich eingereichten Wünsche, Ideen und Hoffnungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine Auswahl wurde unter verschiedenen Stichworten zusammengefasst:

→ Wissenschaft
  • Bitte an die Wissenschaft: statt die Defizite im Alter in den Vordergrund zu stellen, stärker die Fähigkeiten im Alter bei der Forschung zu berücksichtigen und so zu einem positiveren Altersbild in der Gesellschaft beizutragen.
  • Senioren bedeutet nicht Defizite. Es gibt viele Senioren und auch Hochaltrige, die aktiv ohne Hilfsmittel sind.

→ Prävention
  • Kontinuierliche Prävention sichern.
  • Pflegeprävention braucht niedrigschwellige Angebote, die nicht ausschließlich in Projekten gefördert werden. So kann eine verlässliche Angebotsstruktur erreicht und Kompetenz und Wissen bewahrt werden.
  • Maßnahmen für Prävention und Teilhabe müssen zusammen gedacht, entwickelt und umgesetzt werden.
→ Multiplikatoren
  • Zugang zu älteren Menschen wird vor allem über Multiplikatoren überall in der Stadtgesellschaft erreicht.
  • Sozialkommissionen wären wunderbare Multiplikatoren, das bestehende Engagement muss erhalten und ausgebaut werden.
→ Begegnungsstätten und -möglichkeiten
  • Begegnungsmöglichkeiten nicht nur auf Stadtteilzentren, Begegnungs- und Freizeitstätten reduzieren.
  • Verborgene Schätze bei Ressourcen wie z. B. Räume bei Wohnungsgesellschaften für Begegnungsmöglichkeiten identifizieren und nutzen.
  • Mehr an Infrastruktur für Seniorinnen und Senioren wäre angesichts der demografischen Entwicklung nötig, Berliner Alltag zeige, dass es weniger wird – „es vernetzt sich niemand von allein“.
  • Begegnungsstätten in allen Kiezen erhalten.
  • Begegnungsstätten in Kiezen ohne Kosten auch bei Freien Trägern.
  • Wohnortnahe Orte für Begegnungen schaffen mit angestellten Organisatorinnen und Organisatoren für Beteiligung und Begegnung.
  • Leider werden immer mehr Stadtteilzentren geschlossen, daher gibt es für viele Senioren keine Infomöglichkeiten. Der Gedankenaustausch fehlt.
  • Keine weitere Schließung von Begegnungsstätten und Stadtteilzentren
  • Kein weiterer Stellenabbau in Sozialeinrichtungen
  • Fachgruppe ältere Menschen beim Paritätischen Berlin übernimmt die Patenschaft für die Darstellung von Begegnungsmöglichkeiten im Berliner Kiezatlas.
→ Mobilität
  • Mobilitätshilfedienste müssen personell verstärkt und finanziell verlässlich ausgestattet werden.
  • Keine weitere Reduzierung der Mobilitätshilfedienste
  • Für Hörgeschädigte öffentliche Einrichtungen besser ausstatten, damit wir hören können (z. B. Ringschleife: befestigt oder mobil).
  • Serviceverhalten der Post, Banken etc verschlechtert sich, so dass Leistungen nicht in Anspruch genommen werden können.
  • LSBB soll Initiative für mehr öffentliche Toiletten ergreifen (Beispiel Wien).
→ Anerkennungskultur
  • Mehr Ansehen → in allen Richtungen.
  • Wunsch, dass Lebensleistungen der Seniorinnen und Senioren mehr Anerkennung in der Gesellschaft finden
  • Dialog aller Generationen
  • Wunsch, dass Seniorinnen und Senioren als aktive Mitgestalterinnen und Mitgestalter der Gesellschaft wahrgenommen werden! Als Ressource und nicht als „Last“!
Die Mehrheit der teilnehmenden Seniorinnen und Senioren hat nach eigenen Angaben eine informative Veranstaltung erlebt. 33 Prozent waren mit der Beantwortung der Fragen zufrieden, 46 Prozent teilweise. Die Ergebnisse der Befragung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende der Veranstaltung sind in der pdf.Datei zum Herunterladen „Wie hat es Ihnen gefallen?“ dargestellt.

Vorträge und Referenten:

Was hindert ältere Menschen am gesellschaftlichen Leben teilzu-
nehmen? - Erste Ergebnisse der Befragung GLUT

Herr Prof. Dr. Rainer Neubart, Alice-Salomon-Hochschule Berlin

Vertraute Begegnungsorte erhalten - Stärkung des Wohnumfeldes
als ein Beitrag zur Gesundheitsförderung sozial benachteiligter Älterer

Frau Dr. Birgit Wolter, Institut für Gerontologische Forschung e. V.

Soziale Teilhabe im Zusammenhang von Alters- und Mobilitätsarmut
Herr David Westenberg, inter 3 Institut für Ressourcenmanagement
Herr Janko Vollmer, Humboldt-Universität zu Berlin (Kontakt zu den Referenten)

Begegnungsmöglichkeiten für ältere Menschen im Kontext mit dem
Berliner Kiezatlas

Herr Prof. Dr. Stephan F. Wagner, Verband für sozial-kulturelle
Arbeit e. V./Paritätische Akademie Berlin


Linkhinweis
Die Weltgesundheitsorganisation hat ein weltweites Netzwerk „Altersfreundlicher Städte und Kommunen“ initiiert, um deren Bedeutung für Gesundheit, Teilhabe, Sicherheit und Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen hervorzuheben: http://agefriendlyworld.org/en/